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Helgoland – zu schade für einen Tagesausflug

«Da war ich schonmal, da will ich nochmal hin». Dieser Gedanke kam mir 2014 während der Urlaubsvorbereitungen in den Sinn, als wir mögliche Ziele für Tagesausflüge während eines Nordseeurlaubs ausgekundschaftet haben – und im Reiseführer die Rede auf Helgoland kam.

Als Schüler war ich schon einmal auf Helgoland. Im Rahmen eines Schullandheim-Aufenthalts in St.-Peter-Ording.
Das ist gut 25 Jahre her, und ich kann mich nur noch daran erinnern, dass wir irgendwann abends wieder an Land waren und auf dem Rückweg noch das Eidersperrwerk in Tönning angeschaut haben. Das Bild war mir noch im Kopf. Von Helgoland nix. Null.

Das mußte sich ändern – «Da war ich schonmal, da will ich nochmal hin.»

Der Rest der Familie war auch nicht abgeneigt, als wir zusammen in Wikipedia und sonstigen Quellen ein wenig gelesen haben, was es denn wohl auf einem kleinen bewohnten Felsen mitten im Meer so alles gibt.

Während der Recherchen stellt man dann fest, dass die Fahrten mit Fähre bzw. Schiff recht lange dauern sollen (3 Stunden auf See, 3–4 Stunden auf der Insel, nochmal 3 Stunden auf See) und mit ca. 100 Euro fürs Familienticket zu Buche schlagen.
Der Katamaran ist schneller, aber auch teurer (ca. 165 Euro für 4 Personen), Fliegen ist noch schneller und noch teurer (kostet ca. 200 Euro pro Person für Hin– und Rückflug).

Der Klugscheißer findet auch heraus, dass das mit «Deutschlands einziger Hochseeinsel» Marketinggeschwätz ist, da die Hohe See erst viel weiter draußen beginnt. :D

Wir haben uns für eine Schiffsfahrt ab Wilhelmshaven entschieden, und so standen wir also an einem Tag Ende August um 8 Uhr am Helgolandkai, um dort – wie ein Dutzend anderer Passagiere – ein Ticket zu lösen. Nach 15 Minuten war das erledigt, so dass wir ca. eine halbe Stunde vor Abfahrt an Bord der MS Helgoland gehen konnten.

MS Helgoland
Die MS Helgoland, die 2014 zwischen Wilhelmshaven und Helgoland pendelt.

Da das Wetter entsprechend war, nahmen gefühlt 90 Prozent der Reisenden auf dem Sonnendeck Platz.

Bereits bevor das Schiff ablegt, lohnt es sich schon, die Fotoausrüstung auszupacken. So ein Hafengelände ist ja für Flachwasserpiraten aus dem Saarland schon etwas Besonderes.

Hafenausfahrt in Wilhelmshaven
Hafenausfahrt in Wilhelmshaven

Da für diese Tagestour nebst Fotokram auch noch Getränke, Verpflegung und Klamotten im Rucksack zu verstauen waren, kam als Objektiv zu meiner D90 nur das Reisezoom 18-200 VRII mit. Guter Brennweitenbereich, Verwacklungsschutz, relativ leicht, relativ gute Bildqualität.
Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Gar keine so schlechte Wahl, wie ich bei der Bildbearbeitung für diesen Artikel feststellen durfte.

Nach dem Auslaufen in Wilhelmshaven fährt das Schiff noch eine ganze Weile in Landnähe, so dass man schon das eine oder andere Foto schießen kann.

Zunächst ziehen die Hafenanlagen und Raffinerien von Wilhelmshaven vorbei, dann die Strandkörbe von Hooksiel und Schillig.
Nicht zuletzt passiert man mit der Vorbeifahrt am JadeWeserPort die derzeit größten Containerbrücken der Welt – über 80 Meter hoch und eine atemberaubende Kulisse.

Diese Containerbrücken sind gar nicht so groß!?
Diese Containerbrücken sind gar nicht so groß!?
Hm. Vielleicht doch?
Hm. Vielleicht doch?
Okay, sie sind groß!
Okay, sie sind groß!

Weniger spektakulär und auffällig sind die Umrisse der vorbeiziehenden Inseln Mellum, Minsener Oog und Wangerooge.

Wangerooge
Wangerooge

Ein wenig später ist man schon «richtig auf See» und kreuzt die Wege der großen Pötte, die zwischen Atlantik und Bremerhaven bzw. Hamburg unterwegs sind.

Richtig viel Betrieb auf der Route zwischen Atlantik und Hamburg!
Richtig viel Betrieb auf der Route zwischen Atlantik und Hamburg!

Dann passiert erstmal nichts mehr. Zeit, einfach mal die Nase in den Wind zu halten und die Sonne zu genießen. Das Schiff zu erkunden. Vom Unterdeck aus die Wellen anschauen. Kaffee trinken. Mitreisende beobachten, unfreiwillig angehörte Gespräche schnell wieder vergessen.
Kinder unterhalten, Bilder in der Kamera sichten.

Irgendwann – gegen Mittag – kommt dann Helgoland in Sicht. Klein natürlich, aber schnell größer werdend. Die Fotoapparate klicken wieder.

Christian Sabo · pixelverbieger.de

Christian Sabo · pixelverbieger.de

Unterland und Mittelland
Unterland und Mittelland

Irgendwie dauert es dann aber immer noch ca. eine Stunde, bis man wieder Land unter den Füßen hat: Die Passagiere der ankommenden Touri-Schiffe werden mit Börtebooten an Land gebracht, und das dauert.

Das Ausbooten ist – zumindest bei ruhiger See – ein schöner Spaß und macht den Landgang etwas einprägsamer als wenn man ganz profan eine Brücke oder Leiter benutzen würde.

Wie man auf den Bildern sieht, hatten wir an diesen Tag wirklich perfektes Wetter. Ich glaube, viel glatter kann die See gar nicht sein. Dazu Sonne satt, einfach klasse. Den Fotoapparat habe ich während des Ausbootens trotzdem tief im Rucksack vergraben.

Mit Erreichen der Planken und Stege zur Landungsbrücke habe ich mich dann aber wieder getraut, Fotos zu machen.

Ausbooten per Börteboot. Bei spiegelglatter See Spaß für die Touris. Bei Seegang Spaß für die Seeleute :-)
Nach dem Ausbooten: Bei spiegelglatter See Spaß für die Touris. Bei Seegang vermutlich Spaß für die Seeleute :-)

Die Ankunft auf Helgoland macht einfach irre Spaß. Das ist so etwas komplett anderes als irgendwo aus dem Bus zu steigen oder aus dem Zug zu klettern.
Wir haben das sehr genossen und uns erst einmal umgeschaut. Himmel und Menschen, Schiffe und See, Hotels und Hummerbuden. Kein Auto, kein Bus, kaum Wind – ein Traum!

Mittlerweile war es allerdings schon gut 13 Uhr, und uns war bekannt, dass das letzte Börteboot zurück zum Schiff um 15:50 Uhr fahren würde – verdammt knapp! Wir wollten schließlich einmal den Klippenrandweg schaffen und uns auch sonst noch umschauen …

Kann sein, dass wir uns blöd drangestellt haben, aber den Weg zu den Treppen aufs Oberland haben wir erstmal nicht auf Anhieb gefunden. Also schon 10 Minuten verloren :)
Zwischen den Häusern fanden sich aber dann doch noch Wegweiser, so dass wir den Aufstieg geschafft haben.

Fünfzig, sechzig Meter über dem Meeresspiegel hat man dann einen sehr, sehr tollen Ausblick. Und es ist auch gar nicht windig gewesen; sehr überraschend für mich.

Blick auf den Südhafen
Blick auf den Südhafen; links die Spitze der Landungsbrücke sowie 3 wartende Touristenschiffe.

Wir wußten dummerweise auch nicht sicher, wie lange der Rundgang dauern würde, und so haben wir uns zu Beginn gar nicht lange aufgehalten. Einfach mal losmarschieren; 2 Stunden 50 Minuten sind ja nicht übermäßig viel Zeit. Und Übernachten auf Helgoland war keinesfalls vorgesehen!

Man kann aber sagen, dass der Rundgang auch mit Kindern locker zu schaffen ist. Es gibt unterwegs einige Aussichtspunkte, doch auch zwischendrin lohnt es sich überall, stehen zu bleiben und einfach mal den Blick schweifen zu lassen.

In den Weg sind übrigens Entfernungsangaben eingearbeitet, so dass man stets einen Anhaltspunkt hat, wie weit man ist bzw. noch hat. (Am Schluß waren es 3.000 Meter die Runde.)

Christian Sabo · pixelverbieger.de

Der Klassiker, die Lange Anne mit Mole.
Der Klassiker, die Lange Anna mit dieser unglaublich häßlichen aber leider notwendigen Mole.

Am Wendepunkt des Rundgangs, da wo man auch nahe der «Langen Anna» ist, herrscht natürlich der meiste Betrieb. Macht aber nichts und war auch zu erwarten.
Hier haben wir bemerkt, dass bei einigen größeren Gruppen jemand dabei war, der scheinbar recht kompetent die kleinen und großen Geschichten der Insel erzählt – wie wir leider erst später erfahren haben, eine Inselführung, zu der man sich auf den Schiffen anmelden kann. Tja, hätten wir das mal früher gewußt!

Der Rückweg führt dann an der Ostseite der Insel Richtung Oberland zurück. Auch hier war ich wieder überrascht, dass die «kleine Insel» sooo klein gar nicht ist. Die zahlreichen Ausflügler von den verschiedenen Schiffen verteilen sich wie eine Ameisenkolonne auf dem Klippenrandweg.

Es gibt sogar einen Sportplatz auf Helgoland.
Es gibt sogar einen Sportplatz auf Helgoland. Links ein Teil des Nordstrands, im Hintergrund die Düne.
Die «Düne».
Die «Düne».

Auf dem Weg zurück Richtung Oberland entdeckt man den Sportplatz, man kann den Nordstrand sehen und die Düne. Man kommt an den vielen kleinen Gärten vorbei, die hier scheinbar jeder Bewohner hat und kann Swimmingpools und Hotelanlagen bewundern. Und irgendwann – «Gott sei Dank!»– kommt man auch an die berühmten und vielbeworbenen Duty-Free-Shops. Hier herrscht dann noch emsigeres Treiben als im Bordrestaurant auf See oder auf dem Rundweg. Schließlich gilt es, Schnäppchen zu machen und Geld zu sparen. Heidewitzka, da kann man sich richtig freuen, wenn man eine günstige 3-Liter-Pulle Rum, Tequila oder Whiskey im Rucksack nach Hause schleppt … tz. </Ironie-Modus> wieder aus.

Okay, ich gebe zu, wir haben auch ein kleines Mitbringsel gekauft (und ’ne Luftaufnahme in DIN lang). Die Zeit ist aber eigentlich zu schade, um sie in überfüllten, engen Läden zu verbringen – und zu knapp, «richtig» Kaffee trinken oder Eis essen zu gehen.

Hotelanlagen und Wellnessbereich
Hotelanlagen und Wellnessbereich

Wir haben uns daher noch ein wenig in den Gassen von Mittelland und Unterland umgesehen und uns kurz nach 15 Uhr wieder Richtung Strand begeben, wo wir – mit einem Eis in der Hand – die Sonne genießen konnten.

Kurz nach halb vier mußte man dann auch schon wieder zusehen, sich auf der Landungsbrücke in die richtige Schlange zu stellen, um im richtigen Börteboot zu landen – wäre ja blöd, wenn man in Büsum ankommt, das Auto aber in Wilhelmshaven steht :D

Besteigen der Börteboote für die Rückfahrt.
Besteigen der Börteboote für die Rückfahrt.
Die Landungsbrücke am Nachmittag.
Die Landungsbrücke am Nachmittag.
Die Landungsbrücke am Nachmittag.
Die Landungsbrücke am Nachmittag.

Auf dem Rückweg waren dann alle erstmal platt. Das Sonnendeck war nicht mehr so bevölkert und viele Reisende haben den Platz genutzt, um auf den Bänken alle Viere von sich zu strecken.

Ich habe ja vermutet (gehofft?), dass der Kapitän für die Heimreise eine Abkürzung kennt oder zumindest einen Zahn zulegen würde – war aber nicht, und so zogen sich die Stunden hin. Den Mitreisenden ging es scheinbar nicht anders, denn der Betrieb im Bordrestaurant nahm merklich zu.

Kurz vor der Ankunft im Hafen hatten wir dann das Glück – manche sagen, die seltene Gelegenheit – ein Containerschiff am JadeWeserPort anlegen zu sehen. Die Skagen Maersk ist 347 m lang und hat eine Kapazität von über 8.000 Containern. Nicht (mehr) das größte Schiff der Welt, aber gewiss auch nicht das kleinste.

Das war dann unser i-Tüpfelchen für diesen Tag.

Schöne Überraschung auf der Rückfahrt: die Skagen Maersk läuft den JadeWeserPort an.
Schöne Überraschung auf der Rückfahrt: die Skagen Maersk läuft den JadeWeserPort an.
Jeder dieser kleinen Punkte an Deck ist ein 40-Fuß-Container; diese Teile, die man von Auflieger-Lkw auf der Autobahn kennt!

Christian Sabo · pixelverbieger.de

Unser letztes Foto – die Containerbrücken im Gegenlicht – ist gegen 19 Uhr entstanden; bis wir wieder an Land waren, hat es dann aber doch noch bis kurz nach 20 Uhr gedauert. Alles in allem ein langer Trip – aber jede Minute wert!

Fazit

Mir bleibt nur zu sagen, dass die Zeit auf Helgoland bei einem solchen Tagestrip leider viel zu kurz ist. Da spielt es auch keine Rolle, ob man jetzt 3 oder 4 oder 5 Stunden Zeit an Land hat.
Der Rundkurs entlang der Klippen ist toll, keine Frage. Man hat einen wunderbaren Ausblick und Überblick über die Insel. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Gerne hätte ich noch den Nordstrand besucht, die Ostmole oder auch die Düne … dies alles ist aber in den wenigen Stunden unmöglich zu schaffen, alleine wegen der Überfahrt zur Düne und zurück.

Ratsam ist es auch, sich vorher nach einem geführten Rundgang zu erkundigen. Ich glaube, so erfährt man doch einiges mehr als wenn man auf eigene Faust loszieht.

Ich bin mir auch sicher, dass man locker eine Woche auf Helgoland verbringen kann, ohne dass es langweilig wird – dafür wird einfach zu viel geboten … und bereits beim Ablegen am Nachmittag, als das letzte Börteboot noch in Sicht war, habe ich mir gedacht: «Hier müßte man mal richtig Urlaub machen …» – oder anders ausgedrückt:

Da war ich schonmal, da will ich nochmal hin!

 

5 Gedanken zu „Helgoland – zu schade für einen Tagesausflug“

  1. Da in 1,5 Wochen ein Norddeutschland-Urlaub geplant ist, spielen wir auch gerade mit dem Gedanken, mal einen Ausflug zur Pseudo-Hochseeinsel zu machen ;-). Ich stellte mir genau die Frage, ob es sich für eine Tagestour lohnt oder ob nicht lieber eine Übernachtung gebucht werden soll und wurde durch deinen schönen Eintrag zu Letzerem bestärkt.
    Vielen Dank für den schönen Text und die Impressionen! :-)

  2. Hallihallo
    sehr schöner Bericht mit tollen Fotos. Hat mich richtig gut auf morgen eingestimmt – denn ich werde morgen mit einer Freundin eine Tagestour machen, allerdings ab Bremerhaven.
    Werde versuchen, eine Führung zu buchen, das Zeitproblem sitzt uns im Nacken ;-) Danke für den Tipp !

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